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Praktikant/in für Digitales Kulturprojekt gesucht!

Autor: Jonas Buntenbruch / Kategorie: Allgemein / 18. Juni 2018

Ab sofort suchen wir eine/n Praktikant/in im (fortgeschrittenem) Designstudium und überdurchschnittlichen gestalterischen Fähigkeiten im digitalen Bereich (UI/UX) und Interesse am redaktionellen Arbeiten für ein digitales Kulturprojekt.

Was wir suchen:

— Digital Native: gutes Gefühl und Erfahrung im Design digitaler Interfaces und Produkte
— Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse
— Sichere Anwendungskenntnisse in Sketch (o.Ä.), InVision, Illustrator
— Grundkenntnisse oder Verständnis von HTML/CSS und Frontend-Entwicklung
— Interesse an neuen Strömungen in den Bereichen UI/UX, Datenvisualisierung, Kunst und Kultur
— Selbstständigkeit, Kreativität, gewissenhaftes und genaues Arbeiten

Was wir bieten:

— Ein projektbezogenes Praktikum mit garantiertem Ergebnis/Referenz
— Ein spannendes Arbeitsumfeld mit Einblicken in die Agenturarbeit mit gemütlichem Büroarbeitsplatz in Hamburg
— Verantwortungsvolle, selbstständige Arbeit mit Support
— Immer frisches Obst, Mittagspausen an der Alster
— Überdurchschnittliche Vergütung

Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit der LMU München statt und ist inhaltlich im kunstwissenschaftlichen Kontext angesiedelt. Konkret geht es um Konzeption, Design und Begleitung der Realisierung einer Web-Plattform als interaktives Archiv/Karte inklusive Projekt-Branding und Print-Ausstattung.

Das Praktikum findet in Hamburg über einen Zeitraum von 6 Monaten statt. Bitte richte Deine Bewerbung mit Portfolio (Link / PDF) ab sofort bis spätestens 06.07.2018 an Jonas: buntenbruch@est-agentur.de

Wir freuen uns auf Deine Bewerbung!

Immobile first (3. Folge meiner Designkritik-Kolumne in der PAGE)

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 9. Juni 2018

Designkritik ist in die Kritik geraten. Weil sie immer öfter in den sozialen Medien stattfindet, initiiert von Marketing-Blättern, die es schaffen, Designer zu animieren, die Arbeit von Kollegen mit schlecht recherchierten, emotionalen Schnellschüssen zu richten.

Ich habe das auch schon gemacht und schnell gemerkt, dass es eine Sackgasse ist. Es fehlt an Information, Zeit und Abstand und dient letztlich nur der eigenen Profilierung. Was dabei jedoch übersehen wird: das ohnehin schwer vermittelbare Thema Design schießt sich auf diese Weise ein weiteres Eigentor.

Dabei ist profunde Designkritik wichtig und interessant. Ich bin deshalb dankbar, dass die PAGE mir die Möglichkeit gibt, regelmäßig diese Kolumne zu schreiben. Ob es mir gelingt, sollen bitte andere beurteilen. Auf jeden Fall bemühe ich mich um Sachlichkeit – ohne die emotionale Seite, die immer eine Rolle spielt, wenn es um die Beurteilung von Design geht, zu vernachlässigen.

Die Kolumne heißt Hirn / Hand / Herz. »Hirn« meint dabei die nüchterne, rationale Betrachtung. »Hand« untersucht die handwerkliche Qualität. »Herz« steht für den emotionalen, persönlichen Eindruck. Viel Spaß mit der dritten Folge!

Designpreise sind auch deshalb wichtig, weil sie Vergangenes noch einmal aufs Podest heben. »4,18 x 3,10 Meter« ist so eine Arbeit – und wurde jüngst vom Art Directors Club zu Recht mit einem Grand Prix belohnt. Ein guter Grund, sie hier zu besprechen, auch wenn die Veröffentlichung schon einige Monate zurückliegt.

»4,18 x 3,10 Meter« erschien am 9. Dezember 2017 als Spezialausgabe der »WELT«. Zu diesem Zeitpunkt saß der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel bereits 300 Tage ohne Anklage im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri. Um auf die bedrücken- de Enge seines Lebens in Gefangenschaft aufmerksam zu machen, druckte die »WELT« den Grundriss von Deniz Yücels Zelle im Maßstab 1 : 1, also 4,18 mal 3,10 Meter, verteilt auf 32 Einzelseiten der Zeitung und wie ein Puzzle zusammenlegbar.

Es funktionierte: Wer sich die Mühe machte, Blatt für Blatt auszubreiten, erlebte leibhaftig, was Worte schwer beschreiben können. »4,18 x 3,10 Meter« ist eine beeindruckende, meditative Erfahrung und eine buchstäbliche Vergrößerung des journalistischen Spektrums in einer Zeit, die das kleine Smartphonedisplay zum medialen Maßstab verklärt. Zeit, sich mit dem Verschwinden der großen Formate zu beschäftigen – und damit, wie der mobile, beiläufige Medienkonsum auf dem Handy die Intensität unserer Wahrnehmung verflachen könnte.

Hirn. »WELT«-Chefredakteur Ulf Poschardt nannte die Idee zu »4,18 x 3,10 Meter« eine »gut überlegte Verzweiflungstat«. Es ging ihm und seinen Mitstreitern für die Freiheit Yücels darum, Impulse zu setzen. Und was noch mehr Worte kaum leisten konnten, funktionierte genial einfach über Design.

Die »WELT« setzte ihr häufig als unhandlich gescholtenes Format ein, um begreifbar zu machen, was Winzigkeit ist – und schuf damit situative Empathie, die erst durch die Einlassung auf das riesige Format möglich wird und die das winzige Smartphone wohl niemals hätte erreichen können.

Umgekehrt wird mir bewusst, wie mein mediales Smartphone- Leben von wachsender Beiläufigkeit geprägt ist. Selten lese ich Zeitungsartikel bis zum Ende, Songtitel kann ich mir kaum noch merken, Serien schaue ich in Viertelstundenhäppchen am Flugzeug-Gate. Alles geht. Alles ist irgendwie auch praktisch. Aber hängen bleibt wenig.

Gänzlich anders ist es, wenn ich mich den alten, mutmaßlich anachronistischen Formaten stelle. Die sperrige Größe einer »ZEIT« oder »WELT« zwingt mich in eine entspannte, konzentrierte Lesehaltung. Die umständliche Schallplatte bindet mich an den Ort der Stereoanlage – und dort höre ich dann auch zu, oft mit dem Cover in der Hand. Überdeutlich wird es im Kino: Der dunkle Raum und das riesige Leinwandformat führen zu einer beeindruckenden Singularität der Wahrnehmung.

Ich bin kein Digitalhasser und bestimmt kein Retrojünger. Ich schätze mein Smartphone und seine Optionen. Ich sehe jedoch in der Wiederentdeckung der großen Formate eine Alternative. Und vielleicht ist das Ende der Doktrin vom »Mobile First«, von »kleiner-schneller-heftiger« längst erreicht – nicht zuletzt der nervenden Wahrnehmungsdeformationen wegen: Die klirrenden MP3-Abmischungen, die grellen Instagram-Filter oder der Bullet-Point-Journalismus von News-Sites wirken wie digitales Glutamat, weil das kleine Display ständig um Aufmerksamkeit buhlen muss. »4,18 x 3,10 Meter« geht den umgekehrten Weg. Es ist eine raffinierte Form von Vergrößerung, Verlangsamung und Kontemplation. Und fühlt sich an wie das echte Leben.

Hand. Eine handgezeichnete Skizze von Deniz Yücel im Maßstab 1 : 20 war Vorlage für den piktogrammhaften Grundriss der Gefängniszelle im Originalformat. Um alle 32 Puzzleteile autonom auslegbar zu machen, musste der Umfang der »WELT«-Ausgabe fast verdoppelt werden – was auch eine mutige ökonomische Entscheidung war.

Herz. »Es gab sehr viele positive Reaktionen«, sagt Ulf Poschardt, »das Ergreifendste jedoch war die Freude von Deniz und Dilek, seiner Frau, nach der Veröffentlichung von ›4,18 x 3,10 Metern‹. Darum ging’s!« Genau. Darum geht’s. Reale Formate erzeugen reale Emotionen. Wir Designer sollten sie uns zurückerobern.

Deniz Yücels Leben auf 4,18 x 3,10 Metern
Zeitung: DIE WELT
Chefredaktion: Dr. Ulf Poschardt
Skizze: Deniz Yücel
Artdirektion: Juliane Schwarzenberger, Katja Fischer
CvD: Patricia Plate

Die grüne Hölle (2. Folge meiner Designkritik-Kolumne in der PAGE)

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 14. Mai 2018

Designkritik ist in die Kritik geraten. Weil sie immer öfter in den sozialen Medien stattfindet, initiiert von Marketing-Blättern, die es schaffen, Designer zu animieren, die Arbeit von Kollegen mit schlecht recherchierten, emotionalen Schnellschüssen zu richten.

Ich habe das auch schon gemacht und schnell gemerkt, dass es eine Sackgasse ist. Es fehlt an Information, Zeit und Abstand und dient letztlich nur der eigenen Profilierung. Was dabei jedoch übersehen wird: das ohnehin schwer vermittelbare Thema Design schießt sich auf diese Weise ein weiteres Eigentor.

Dabei ist profunde Designkritik wichtig und interessant. Ich bin deshalb dankbar, dass die PAGE mir die Möglichkeit gibt, regelmäßig diese Kolumne zu schreiben. Ob es mir gelingt, sollen bitte andere beurteilen. Auf jeden Fall bemühe ich mich um Sachlichkeit – ohne die emotionale Seite, die immer eine Rolle spielt, wenn es um die Beurteilung von Design geht, zu vernachlässigen.

Die Kolumne heißt Hirn / Hand / Herz. »Hirn« meint dabei die nüchterne, rationale Betrachtung. »Hand« untersucht die handwerkliche Qualität. »Herz« steht für den emotionalen, persönlichen Eindruck. Viel Spaß mit der zweiten Folge!

Meine küchenpsychologische Retrotrend-Theorie geht so: Es ist immer der erste, richtige Kuss, so zwischen 14 und 16. Die Musik, die wir dabei hörten, die Klamotten, die wir trugen, und all die Dinge, die wir cool fanden, brennen sich auf ewig in unser Gedächtnis. Sie machen den sentimentalen Grundton, der unser restliches Leben bestimmt. Und wenn wir mit Mitte 40 endlich was zu melden haben, als Marketingdirektor, Radiomoderator oder schlechter Designer, drehen wir die Zeit zurück, und alles wird noch mal so schön wie vor 30 Jahren. Die größten Hits der 80er! Weißt du noch? So entstehen Retrotrends. Wie gesagt: Küchenpsychologie.

Wenn da aber tatsächlich was dran ist, stehen uns als Nächstes die 1990er ins Haus. Das ist keine gute Nachricht. Denn die waren ja bereits das erste voll ausgestattete Retrojahrzehnt. Und hatte bis dahin jede Dekade ihren eigenen Stil, so verquirlten die Neunziger munter alles, was irgendwann mal hip war. Auf diese Weise kamen die Spice Girls, Neonbatik oder Super RTL in die Welt, und spätestens jetzt sollte allen klar sein, was uns dräut: die Wiederholung der Wiederholung. Wir steuern auf eine fatale Design-Zeitschleife zu, und ausgerechnet die Fußballnationalmannschaft im WM-Jahr ist ihr erstes Opfer. Weil sie in Trikots spielen muss, die Franz Beckenbauer persönlich vom 1990er-Finale in Rom nach Moskau gebeamt zu haben scheint.

Hirn. Verkaufstaktisch ist so ein Retrotrend ein teuflisch guter Plan, weil er zwei Zielgruppen auf einmal abkassiert: die kaufstarken 45- bis 55-Jährigen, die sich wieder jung fühlen, sowie die echten Jungen, die nachmachen, was ihnen ihre an Millionenverträge gebundenen Idole einzuflüstern haben. Bei adidas heißt diese clevere Strategie offiziell »from authenticity to progression«, was frei mit »Zurück in die Zukunft« übersetzt werden kann und vor allem kühle Kalkulation ist. Das »Handelsblatt« rechnet vor, wie aus einem Stück Polyester, das in der Herstellung unter 9 Euro kostet, ein »Kulttrikot« für knapp 90 Euro wird. Mögliche Umsätze: über 250 Millionen Euro allein für das deutsche Leibchen. Nur: Mit Design, dem Top-Verkaufsargument, hat das erst einmal nichts zu tun.

Hand. Die unleserliche Typografie hat Erik Spiekermann zu Recht in zwei Worten gerichtet. Er meint, sie sei »eckige Scheiße« (und begründet es: https:// is.gd/Trikots18 ). Der Deutsche Fußball-Bund verweist hierzu auf die anderen 23 Nationen in adidas, die nicht gemeckert hätten. Das sind schlechte Neuigkeiten für das typografische Handwerk.

Noch interessanter finde ich, mit welcher Dreistigkeit dieses Trikot alle bewährten Kompositionsregeln aushebelt, 80er-Farbe, 90er-Print und 00er- Pixelschrift krude vermixt, und, weil es ja sein muss, noch ein paar Trademarks mittig draufklatscht. Wäre dieses Shirt ein Hotelzimmer, wir wären schlaflos. Warum aber geht das auf einem Fußballtrikot? Nichts passt in dieser eklektischen Designhölle zusammen. Und was auf dem Astralleib eines Toni Kroos noch sitzt, das entstellt jede Mittelalter-Plauze und jeden dürren Teeniekörper. Handwerklich ist das »Designismus « – Gestaltung also, die behauptet, Design zu sein, es jedoch nicht ist.

Herz. Ich orakele jetzt mal: Viertelfinale, dann ist Schluss. Der Druck ist zu groß. Nicht weil die Mannschaft nicht könnte, sondern weil sie auf den Schultern von gleich zwei Riesen steht: dem Weltmeistertitel von 2014 und nun auch noch – per Trikot – dem von 1990. Und immer, wenn es bei der WM nicht läuft, wird Lothar Matthäus leibhaftig den Geist von Rom beschwören. Das Trikot als Menetekel und Loddar als Retrogott. Schlechte Voraussetzungen für die Titelverteidigung.

Sentimentalität ist kein guter Berater, wenn man nach vorne will. Das gilt für den Fußball (mein HSV hat vor lauter Traditionsgetöse längst die Zukunft verspielt). Das gilt aber auch im Design. Als Designerinnen und Designer sind wir nur gut, wenn wir die Zeichen der Zeit erkennen und in Gestaltung umsetzen. Der Blick zurück ist höchstens hilfreich, aber nie grundlegend.

Als Fußballfan wünsche ich Jogi Löw alles Gute. Beim Trikot hätte er sich wohl besser eingemischt. Küchenpsychologisch betrachtet.

Praktikum zu vergeben

Autor: Lina Stahnke / Kategorie: Allgemein / 4. Mai 2018

ErlerSkibbeTönsmann ist eine Agentur für Markenkommunikation und Design in Hamburg. Seit 2010 entwickeln und gestalten wir für Unternehmen, Institutionen und Verlage. Digital und analog. Zu den aktuellen Kunden gehören die Süddeutsche Zeitung, die Staatstheater Stuttgart und Nürnberg, die forsa, Mercedes-Benz, die norwegischen Zeitungen Morgenbladet und Dagens Næringsliv, der Suhrkamp Verlag u.v.m.

Ab sofort suchen wir eine/n Praktikant/in mit fortgeschrittenem Grafikdesignstudium. Überdurchschnittliche gestalterische Fähigkeiten offline als auch online sind für uns essentiell. Wir bieten eine anspruchsvolle und vielschichtige Tätigkeit für angesehene Kunden. Wer also Lust hat mit unserem Team im schönen Hamburg zu arbeiten, schickt uns ein aussagekräftiges PDF mit Arbeitsproben an Lina Stahnke:
stahnke@est-agentur.de

Goldener Nagel bei ADC 2018

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 29. April 2018

Hier ist es, unser Goldstück! Die Plakatkampagne für die Mannheimer Schillertage erhielt beim ADC 2018 einen goldenen Nagel und wir sind sehr stolz darauf!

Die Schillertage finden alle zwei Jahre im Nationaltheater Mannheim statt. Das Motto für das Jahr 2017 war »Nach der Freiheit«. Es ging um eine Definition des Freiheitsbegriffes in unserer Zeit, in der die Freiheit an vielen Stellen und aus ganz unterschiedlichen Gründen in Gefahr gerät. Und es geht natürlich immer auch um die Frage, was uns der große Aufklärer Schiller und sein Werk in diesem Zusammenhang zu sagen hat.

Als wir vom Nationaltheater Mannheim gefragt wurden, wie wir mit diesem Motto umgehen würden, schlugen wir vor, ein kämpferisches »Nach der Freiheit ist vor der Freiheit« zu ergänzen – ganz in Schillers Sinn. Denn die Bedrohung der Freiheit muss gleichzeitig ja einen Impuls setzen, sich für die Freiheit einzusetzen. Dem Nationaltheater gefiel dieser Ansatz und so setzten wir ihn um.

Zunächst auf dem Textplakat, in dem wir die klassische Typografie entsprechend übersprühten. Anschließend auf vier weiteren Bildplakaten, auf denen wir die Gesichter von neuen Führern (Marie Le Pen, Wladimir Putin, Recep Erdogan und Donald Trump), die auf dem Wege sind, Freiheit, wie wir sie kennen und schätzen, in Frage zu stellen, mit Smileys übersprühten.

Dem ACD war diese Idee Gold wert. Auf der Preisverleihung wurde betont, dass politische Theaterkommunikation genau so zu sein hat. Finden wir auch, vielen Dank!