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D’haus. Das Zelt steht

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Bureau / 2. August 2016

Düsseldorf hat ein neues Wahrzeichen: Das Theaterzelt am Korneliusplatz wurde gestern hochgezogen und bleibt dort in den nächsten Monaten eine der Spielstätten des Düsseldorfer Schauspielhauses, denn das Stammhaus am Gustav Gründgens-Platz wird renoviert.

Und mit dem Theaterzelt zieht auch unser neues Logo in die Stadt ein. Es ist uns eine Ehre! Für uns live vor Ort und an der Kamera: Thomas Rabsch. Danke!

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über. Die neue Kolumne in der PAGE

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 1. August 2016

Seit drei Monaten bin ich Kolumnist. Die PAGE hat mir diese Möglichkeit gegeben, die ich sehr gerne nutze. Ausgangspunkt für den monatlichen Text sind die Creative Mornings, die ErlerSkibbeTönsmann seit April im designxport in Hamburg veranstaltet.

Creative Mornings wurden 2008 von der Bloggerin Tina Eisenberg (Swissmiss) in New York gegründet. Die Form des kurzen Frühstücksvortrags fand sofort begeisterte Mitmacher in aller Welt und mittlerweile gibt es Creative Mornings in 152 Städten auf dem gesamten Globus. Hamburg ist neben Berlin, München, Köln und Düsseldorf einer von fünf deutschen Austragungsorten. Um eine Creative Mornings-Lizenz muss man sich relativ aufwändig bewerben, was Henning mit viel Enthusiasmus geschafft hat.

Für die Durchführung haben wir Partner gefunden. Der sehr schöne Veranstaltungsort ist der designxport, Hamburgs Anlaufstelle für Design und Wirtschaft unter der Leitung unserer alten Freundin Babette Peters. Die Filmdokumentation drehen und schneiden regelmäßig Urs Mader und Simon Wahlers. Die Fotos kommen von Mitja Schneehage und die Organisation übernimmt regelmäßig Inga Albers aus unserem Büro.

Für das kleine Frühstücksbuffet und als Medienpartner konnten wir die PAGE gewinnen. Und für die PAGE schreibe ich jetzt eben auch meine Creative Mornings-Kolumne, die das monatliche Vortragsthema aufgreift und mit Design verbindet. Denn die Sprecher sind keine Designer. Sie kommen aus allen Bereichen des Lebens und nehmen das monatliche Stichwort, das aus New York vorgegeben wird, auf und reflektieren darüber.

Unser erster Gast im April war der Weltumsegler Boris Herrmann zum Thema ›Risiko‹. Dann kamen Michael Günther, Dramaturg am Hamburger Thalia Theater (›Realität‹), Dirk Luckow, Chef des Hamburger Museums Deichtorhallen (›Brüche‹) und zuletzt Michael Fritz von Viva con Agua, einer Organisation, die sich für den menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser in aller Welt einsetzt, zum Thema ›Liebe‹. Es lohnt sich also immer zuzuhören. Und wer in Hamburg lebt, sollte sich ab jetzt über die Facebookseite Creative Mornings Hamburg informieren. Im Moment ist Sommerpause, aber im September geht es weiter.

Nach ein paar Versuchen habe ich jetzt den Namen ›über‹ für meine Kolumne gefunden. ›über Risiko‹ also oder ›über Realität‹. Die dritte Kolumne ›über Brüche‹ folgt jetzt gleich hier, die beiden ersten Ausgaben sind auf PAGE online zu finden. Hier sind die Links: Risiko und Realität. (Es kann sein, dass die PAGE-Links nicht immer funktionieren. Dann könnt ihr die Kolumne über www.page-online.de und über das Suchwort ›Erler‹ finden.

Hier nun also (unter dem Bild geht es weiter) die Kolumne Nummer 3, ›Brüche‹. Die nächste Kolumne trägt dann den schönen Titel ›über Liebe‹.

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über Brüche

Als Prince Roger Nelson gestorben war, beschrieb der Münchner Musikproduzent Mathias Modica, wie er einmal das Geheimnis seines Idols entdeckt hatte. Prince spielte nämlich auf eine nur ihm eigene Weise vor dem Takt, kaum bemerkbar, aber so genial, dass es anders klang. So hatte Prince den Funk neu erfunden – indem er ihn brach.

»Gebrochen« – das klingt erst mal nach »verletzt«, »beschädigt«, »kaputt«. Brüche versuchen wir zu vermeiden und zu verstecken. Eine Regel in der Welt der Manager lautet: »Never explain, never complain!« Wenn du einen Fehler gemacht hast: Niemals rechtfertigen, niemals jammern.

»Brüche sind tabu«, meint auch der Kunsthistoriker Dirk Luckow, Leiter der Hamburger Deichtorhallen, eines der großen europäischen Ausstellungshäuser für Fotografie und zeitgenössische Kunst. »Über Brüche spricht man zurückgezogen mit seinem Therapeuten oder Freund. Für die Kunst sind sie jedoch ein Motor. Sie bieten die Möglichkeit, essenziell auf das Leben zu schauen. Der Künstler nutzt die Sensibilität des Gebrochenseins. Das fasziniert den Betrachter. Der Künstler leidet auch für uns.«

Man muss das eigene Leid ja nicht gleich zum Zentrum seiner Arbeit machen, wie der dänische Künstler Jeppe Hein, der seine Depressionen in dem Buch »The Happiness of Burnout« aufschreiben ließ. Aber ist die Alternative zum Fehler wirklich nur Perfektion? Das Beispiel von Prince zeigt doch, dass erst der Bruch seine Musik so großartig gemacht hat.

Der in Berlin lebende koreanische Philosoph Byung-Chul Han beschreibt in seinem Buch »Die Errettung des Schönen« den modernen Fetisch des Perfekten. »Die Welt des Glatten ist eine Welt des Kulinarischen, eine Welt reiner Positivität, in der es keinen Schmerz, keine Verletzung, keine Schuld gibt«, erklärt er. »Die heutige Positivgesellschaft baut immer mehr die Negativität der Verletzung ab. Gemieden wird jeder hohe Einsatz, der zu Verletzungen führen würde.« Aber: »Ohne Verletzungen gibt es keine Wahrheit, ja nicht einmal Wahrnehmen.«

Auch in der modernen Markengestaltung sind Fehler nicht gerade populär. Die von Designern als chromglänzende Kathedralen inszenierten Autosalons zum Beispiel spiegeln über die Makel einer Industrie hinweg, die das Wort »Schuld« selbst dann noch zu vermeiden sucht, wenn diese längst bewiesen ist. Und der Fall VW steht stellvertretend für den steten Versuch perfekter Illusionen, die auch das Design so brillant beherrscht, um die Welt mit einer glänzenden Oberfläche zu lackieren.

Da mutet es fast märchenhaft an, dass in den 1990er Jahren der damalige Volvo-Chef Sören Gyll laut überlegte, Autos wieder unsicherer zu bauen, um das Fahren sicherer zu machen. Seine schlaue Idee: Wenn sich der Mensch seiner Verletzlichkeit bewusst sei, würde er vorsichtiger lenken. Man stelle sich diesen Vorschlag heute aus dem Mund von VW-CEO Matthias Müller vor. Doch im Wettbewerb der Perfekten werden dreckige oder zweifelnde Thesen unmöglich.

Die Frage ist doch aber, was passiert, wenn ständig verbesserte Standards unsere Erwartungshaltungen ins Unerfüllbare steigern. Längst ärgern wir uns täglich genau darüber. Das Problem scheint kaum lösbar, weil es systemisch ist. Interessant ist trotzdem, was sein wird, wenn wir die von Byung-Chul Han so treffend analysierte Positivgesellschaft nicht mehr ertragen. Wie verändern sich dann Marken? Und wie das Design? Die Kunst zeigt schon mal, wie erfrischend Fehler sein können.

Und das nehme ich mit von Dirk Luckow: Nichts berührt Menschen mehr als der menschliche Makel.

PS: Der Künstler Jeff Koons ist der Papst des Polierten – und entzieht sich damit jeder Deutung. Auf die Frage, was der Betrachter sich denn denken solle, wenn er seine Chromskulpturen anschaue, antwortete Koons: »Nichts. Nur ein simples ›Wow‹!«

Deutsch Perfekt

Autor: Henning Skibbe / Kategorie: Bureau / 1. Juli 2016

IMG_9874Magazin Deutsch Perfekt, Editorial Design Magazin Deutsch Perfekt, Editorial Design

Wir freuen uns sehr über einen neuen Auftraggeber! Der Münchner Spotlight Verlag gibt unter der Leitung von Rudolf Spindler seit vielen Jahren erfolgreich Magazine zum Sprachenlernen heraus. Jetzt beauftragte der Verlag unser Büro mit der kompletten Überarbeitung sämtlicher Produkte und der Marke. All dies wird in diesem und im kommenden Jahr stattfinden.

Mit »Deutsch Perfekt« hat ErlerSkibbeTönsmann nun das erste Heft überarbeitet. »Deutsch Perfekt« ist das Heft für alle Menschen, die die Sprache Deutsch lernen und verbessern möchten. Als Leitplanken für die Neugestaltung dieses und aller weiteren Hefte dienen die Begriffe ›Identität‹ und ›Handwerk‹. Und für beides spielt insbesondere Typografie eine herausragende Rolle.

›Identität‹ bezeichnet die speziellen Eigenschaften von Sprachräumen und deren Kulturen. Ein Heft über die Sprache Deutsch sieht anders aus, als ein Heft über die Sprache Englisch. Typografisches Handwerk ist für Hefte zum Spracherwerb essentiell, denn Schrift ist geschriebene Sprache und die Feinheiten jeder Sprache lassen sich mit detaillierter Typografie sehr gut abbilden.

Alle zur Verfügung stehenden typografischen Mittel werden genutzt, um den Lernenden optimal zu unterstützen. Die Lesbarkeit der Schriften ist bis ins Detail (Zeilen- Wort- und Buchstabenabstand und unterschiedliche Schriftgrößen) austariert. Der mikrotypografische Informationsbaukasten in Verbindung mit der klaren, in Teilen formularhaften, gut bedienbaren Gestaltung unterstützt den Lernenden optimal beim Lernen.

Dass Spracherwerb keine langweilige Sache sein muss, zeigen die Hefte aus dem Spotlight Verlag im neuen Erscheinungsbild: die journalistischen Themen sind im besten Editorial Design gestaltet. So fühlt sich der Leser wie in einem ganz normalen Magazin – und lernt die Sprache fast nebenbei.

CreativeMornings Hamburg

Autor: Henning Skibbe / Kategorie: Allgemein / 6. Juni 2016

Seit April veranstalten wir die CreativeMornings in Hamburg. Die Vorträge werden großzügigerweise von Urs Mader und Simon Wahlers (mfg.do) gefilmt und geschnitten und sind dann auf dem CreativeMornings-Portal zu sehen. Gerade hat Urs den Vortrag vom 27.05. online gehoben. Matthias Günther war unser Gast und sprach über »Realität«. Er ist Dramaturg am Thalia Theater und sprach darüber was Realität mit Bühne und Schauspiel zu tun haben.

Schon im April sprach der Weltumsegler Boris Herrmann über »Risiko«.

Am 17. Juni kommt Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen zu uns und spricht über das Thema »Broken«.

Lo’s Hawara

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 2. Juni 2016

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Lo Breier ist einer der wichgtigsten deutschen Art Direktoren der letzten 30 Jahre. Der Hamburger designxport hat Lo nun eine sehr charmante Ausstellung gewidmet: Lo’s Hawara. Hawara ist ein österreichischer Begriff für Kumpel. Lo ist Österreicher. Und seine Hawara der letzten 30 Jahre hat Lo in dieser Ausstellung versammelt. Auf Plakaten zeigen diese Kumpel (und natürlich auch die Kumpeline), was sie mit Lo verbindet – und wer Lo also ist. Das ist interessant, kurzweilig und ziemlich clever, weil Lo auf diese Weise nicht zeigen muss, was für tolle Sachen er gemacht hat. Das machen die anderen.

Unter anderem auch ich. Denn bei Lo habe ich meine berufliche Laufbahn gestartet, 1990, erst als Praktikant und später als freier Mitarbeiter. Ich verdanke Lo ganz viel und bin bis heute mit ihm in Kontakt.

Da ich aber nicht nur ein Bild zeigen, sondern etwas mehr über Lo und mich erzählen wollte, habe ich eine kurze Anekdote aus unserer gemeinsamen Zeit aufgeschrieben. Die Geschichte spielt in London und neben Lo sind auch noch Neville Brody, diverse Supergirls und Superboys, prügelnde Türsteher, besoffene Clubbesucher und Neneh Cherry beteiligt.

Die Geschichte ist in einem kleinen Heft abgedruckt und wer möchte, kann dieses Heft bei mir bestellen. Ansonsten steht die Geschichte jetzt hier unter dem UFA-Logo, um das es damals nämlich unter anderem auch noch ging.

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London 1991

Vorbemerkung:
1991 studierte ich Kommunikationsdesign und arbeitete gleichzeitig im Büro BreierTietgens. Eines Tages kam ein neuer Job rein. Es ging um das Erscheinungsbild für die UFA-Mediengruppe. Der Job war ein Gemeinschaftsauftrag für Lo und Neville Brody. Es wurde beschlossen, in beiden Büros Entwürfe zu machen und dann zusammenzulegen. Aus den Entwürfen des Hamburger Teams wurde meiner ausgewählt. Was danach geschah, steht hier.

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»Du fährst zu Neville!«, sagt Lo zu mir.
»Coooool!«, sagt Kai.
»Ach wie toll!«, sagt Ayka.
Hanno grinst und dreht Haare hinterm Ohr. Simone schreibt gleich Listen, was ich mitbringen soll. Shortbread und so. Ich sage erstmal gar nichts, finde aber alles super. Ich fahre nach London. Zum ersten Mal in meinem Leben. Mit 26. Das muss man sich mal vorstellen.

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Wenige Tage später stehe ich um 9 p.m. vor einer schweren Eisentür im East End. Ein Typ macht auf. Das Büro ist noch voll. Alle da, Neville, Fwa, auch Lo. Reden durcheinander und ich krieg nichts mit. Bin voll aufgeregt.
»Wo schläft er denn eigentlich?«, fragt Neville.
Lo zuckt mit den Schultern und macht das Lo-Gesicht. Das Lo-Gesicht ist das Gesicht, das ausdrückt:
»Ich weiß zwar noch nicht wie, aber das wird schon!«
Ich mag das Lo-Gesicht!

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Am nächsten Tag.
»Das ist gut!«, sagt Neville.
Echt jetzt? Mein Entwurf? Das ist ja alles kaum zu glauben: Eben war ich noch ein winziger Designwurm und jetzt bin ich hier bei IHM. Bei GOTT! Und ER findet MEINEN Entwurf gut! Neville zuppelt noch fix ein bisschen rum, hier paar Striche, da die Typo, rasend schnell in FreeHand und *schwups* – schon fertig.

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Und nun? Ist Donnerstag und ich fahre erst Samstag. Lo ist schon weg. Mal fragen, was die Kollegen heute Abend so machen.
»Muss zum Sport.«
»Bin eingeladen.«
»Muss nach Hause.«
Selten in meinem Leben habe ich mich so uncool gefühlt.
»Du musst ins Subterrania!«, sagt Giles noch.
»Kommst du aber nicht allein rein, brauchst du Begleitung. Musst du vorher in den Pub an der Ecke, was klar machen. Good Luck! Bye!«
Supernett hier alle.

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Um 11 p.m. hocke ich mit vier Pint intus an der Bar vom Anchor und bin zu allem bereit. Da drüben am Tisch sitzen drei Supergirls, da geh ich jetzt mal hin.
»Hallöchen, ich bin der Johannes. Nehmt ihr mich mit ins Subterrania?«
»Hihihi«, machen die Supergirls.
»Hohoho«, machen die Superboys, die neben den Supergirls sitzen.
Mist, die hatte ich gar nicht gesehen. Geht aber klar. Hihihoho. Was ich denn so mache in London?
»Ich bin Designer und arbeite bei … NEVILLE BRODY!«
»Neville who?«
Okay, funzt nicht. Egal, geht los.

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Monsterschlange vorm Club. Aber Fußball ist ja immer ein Thema. Eine Stunde später sind wir fast drin. Da stehen jetzt nur noch diese zwei Typen. Der eine ist sehr klein, sehr breit und sehr tief. Sieht aus wie ein Würfel. Der andere sieht aus wie Shaft. Würfel und Shaft gucken sehr böse. Zufällig bin ich gerade ganz vorn.
»Wie viele?«, fragt mich der Würfel.
»Sieben!«, sage ich und mache mein lustiges Gesicht.
»Zu viele!«, sagt Shaft. »Ihr kommt hier nicht rein. Next.«
»Maximal drei auf einmal. Hätten wir dir sagen sollen«, sagt ein Supergirl.
Macht nichts. Wir stellen uns noch mal an.

/
Noch eine Stunde später stehen wir wieder vor Shaft und dem Würfel. Ich tue diesmal so, als wenn ich gar nicht da bin, aber Shaft entdeckt mich.
»Hey Bubi! Nicht kapiert? Ihr! Kommt hier! Nicht! Rein! Next.«
Kacke. Und ich bin schuld. Die Supergirls und Superboys ziehen ab.
Ich glotze noch ein bisschen. Ganz schön kalt hier.

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Moment mal! Das ist doch… NENEH CHERRY!! Dahinten am Nebeneingang
mit ein paar Leuten! Vielleicht nimmt die mich ja mit rein!
»Hi Neneh, ich bin Johannes! Kann ich mitkommen?«
»Klar! Das ist übrigens Eagle-Eye. Wie geht’s denn so?«
»Alles cool! Ich arbeite gerade bei … NEVILLE BRODY!«
»Echt? Supercool! Komm, wir trinken was und tanzen bisschen ab!«
Ein Mann tippt mir auf die Schulter.
»Alles klar bei dir?«
Mist, ich habe Selbstgespräche geführt. Passiert immer, wenn ich aufgeregt bin. Neneh ist verschwunden.

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Da kommt ein Typ auf einem Fahrrad in Schlangenlinien. Vor dem Club fängt er an zu brüllen.
»EY! DU ARSCHLOCH! DU HAST MICH NICHT REINGELASSEN!!!«
Der meint den Würfel. Der ist auch weggeschickt worden. So wie ich!
»EY! ARSCHLOCH! JA, DU! KOMM HER!«
Der Würfel wird nervös, das sieht man. Shaft versucht, ihn zu beruhigen.
»EY! PISSER! KOMM HER! DU TRAUST DICH JA NICHT!«
Der Würfel kocht. Jetzt kommt er rüber. Schupst den Typ vom Rad. Mann, ist der Typ blau. Der Würfel tänzelt ein paar mal um den Typen rum. Der Typ weiß gar nicht, wo er ist. Dann tritt der Würfel zu. Einmal auf die Knie und der Typ bricht zusammen. Dann in den Bauch. Und noch mal und noch mal. Der Typ winselt. Der Würfel tritt noch mal zu und spuckt auf den Typen. Dann geht er zurück zu Shaft. Ich geh dann jetzt mal schlafen.

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Am nächsten Tag habe ich Schnupfen.
»Wie war’s?«, fragt Giles und grinst.
Ich finde London super!

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Dieser Text enstand im Mai 2016 anlässlich der Ausstellung »LO’S HAWARA – Lo Breiers visuelle Freunde seit 1985« im Designxport in Hamburg. Ich lernte Lo 1989 kennen. Er war Art Director von TEMPO und ich Designstudent an der Muthesiusschule in Kiel. Dorthin lud ich Lo gemeinsam mit Walter Schönauer zu einem Vortrag ein. Ein paar Monate später suchte ich einen Job und stellte mich im Büro BreierTietgens vor, das Lo mittlerweile gegründet hatte. Dort, in der Deichstraße, wurde ich zunächst Praktikant und durfte danach bleiben – für mich als Student ein Traum, nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit Neville Brody. Ich arbeitete bei Lo bis zu meinem Diplom 1992, ging dann für einige Monate nach Berlin und gründete anschließend mein erstes eigenes Büro.

Ich habe von Lo unendlich viel gelernt und bewundere ihn bis heute. Lo hat mir beigebracht, groß zu denken und gerade zu schneiden. Vor allem aber hat er mir gezeigt, wie man selbst in schwierigsten Situationen die Contenance bewahrt. Dafür bin ich ihm ewig dankbar.

c2016, Johannes Erler