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Tschüß Dresden!

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 9. Juni 2017

Schon 2009 begann die großartige Zusammenarbeit mit dem Staatsschauspiel Dresden, zunächst unter der Intendanz von Wilfried Schulz. Das vielfach preisgekrönte Erscheinungsbild mit den zwei gelben Streifen trug Schulz und sein Team über die folgenden sieben Jahre, bis Schulz 2016 an das Düsseldorfer Schauspielhaus ging, es – wieder mit unserer Hilfe – kurzerhand in D’haus umbenannte und seitdem dort erfolgreich Theater macht.

In Dresden entstand ein einjähriges Intendanten-Vakuum, dass der Interims-Intendant Jürgen Reitzler gemeinsam mit der Dramaturgin Beate Heine zu einem vielbedachten Intermezzo nutzte.

Also brauchte diese Spielzeit auch ein Interims-Erscheinungsbild 16_17, das von einem Spielzeitbuch und einem Abschlussbuch eingerahmt wurde.

Und jetzt geht diese Ära also endgültig zu Ende und wir sagen »Tschüß Dresden«!

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Typo Berlin 2017

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Bureau / 28. Mai 2017

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Ganz neue und ganz tolle Erfahrung: einmal Moderator sein! Seit 22 Jahren gibt es die Typo Berlin, die mittlerweile größte Designkonferenz Europas. Und in diesem Jahr habe ich sie zum ersten Mal moderiert. Das war anstrengend, interessant, lustig und manchmal sogar bewegend.

1998 war übrigens mein erstes Jahr als Sprecher auf der Typo Berlin. Sozusagen 20jähriges Bühnenjubiläum diesmal also. Und diesen ersten Auftritt werde ich nie vergessen.

ich war kurzfristig gefragt worden, für einen ausgefallenen Sprecher einzuspringen, hatte sofort zugesagt und musste dann sehr schnell einen Vortrag auf die Beine stellen. An den kann ich mich kaum noch erinnern. An den ersten Moment auf der Bühne allerdings ziemlich gut. Denn ich wurde als Sprecher direkt nach der Keynote ziemlich ins Wasser geschupst. Und das war eiskalt.

Die Keynote kam von Bazon Brock, dem berühmten Design-Theoretiker, der wortgewaltig und ausführlich über ein Thema sprach, an das ich mich ebenfalls nicht mehr erinnere und nur noch weiß, dass ich angesichts dieser Wortkannonade immer tiefer in meinen Sitz rutschte.

Als Brock fertig war und reichlich Applaus bekommen hatte, musste ich raus auf die große, ziemlich nackte Bühne. 1.500 Menschen im Saal. Grelles Licht von vorn.

Da stand ich also im Scheinwerferlicht hinter dem Rednerpult, an das ich mich sofort klammerte, bis meine Fingerknöchel weh taten und dann passierte folgendes:

Ich löste mich sozusagen aus mir selbst heraus, stand also plötzlich regelrecht neben mir, verschränkte die Arme vor der Brust und rief mir, der ich immer nach am Rednerpult klebte, zu:

»So Johannes! Und jetzt liefer mal schön ab!«

Anschließend sah ich mir selbst dabei zu, wie ich unterging. Scheiterte an meinen eigenen Erwartungshaltungen. Scheiterte auch an diesem Publikum, das bis heute sehr anspruchsvoll ist und auch gern mal mitten im Vortrag den Saal verlässt. Und die ganze Zeit hörte ich mich wie von weit her und mit ganz viel Echo reden. Es dauerte ewig. Ich war fix und fertig.

Immerhin hat es die Typo anschließend nicht davon abgehalten, mich immer wieder als Sprecher einzuladen. Ich war sechs oder sieben Mal dort. Und im letzten Jahr kam dann die Einladung zur Moderation.

Gestern Abend bin ich von Type-Chef Jürgen Siebert gefragt worden, ob ich es im nächsten Jahr wieder machen möchte. Ich glaube, ich mach das.

Das Foto, das das Typo-Team zum Abschluss auf der Bühne zeigt, machte der Superfotograf Norman Posselt.

Pulitzer-Preis versilbert

Autor: Christian Tönsmann / Kategorie: Post aus München / 15. Mai 2017

Wir freuen uns über drei Nägel für die Süddeutsche Zeitung beim ADC 2017. Die kurz zuvor mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Investigativ-Recherche Panama Papers wurde in der Kategorie Zeitung/Beitrag mit einem silbernen Nagel bedacht. Die Panama Papers waren das größte Investigativ-Projekt in der Geschichte der Süddeutschen Zeitung: Eine anonyme Quelle, die sich selbst „John Doe“ nannte, hat der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca zugespielt. In diesem riesigen Datenhaufen recherchierten rund 400 Investigativ-Reporter aus mehr als 80 Ländern, von mehr als 110 Medien, koordiniert von der SZ und dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington. Die Recherchen zeigten, dass Mossack Fonseca nicht nur Premierministern und Diktatoren geholfen hat, ihre Gelder zu verstecken, sondern auch Drogenkartellen, Mafiaclans, Betrügern, Waffendealern und Regimen wie Nordkorea oder Iran. Die prägnanten Illustrationen für die Panama Papers hat der Leipziger Illustrator Peter M. Hoffmann gezeichnet.

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Zwei bronzene Nägel gingen an SZ-Langstrecke. Je in den Kategorien Magazin/Jahrgang und Illustration. Die Titelillustrationen der vier Ausgaben aus dem letzten Jahr stammen vom spanischen Illustratoren-Duo Brosmind. Juan und Alejandro Mingarro sind Brüder und leben und arbeiten seit 2006 in Barcelona. Dort habe ich sie vor einigen Jahren kennengelernt und mit dem zweiten Jahrgang von Langstrecke ergab sich eine Möglichkeit der Zusammenarbeit. Für die vier Ausgaben von Langstrecke haben Brosmind eine amorphe Figur entwickelt, die sich leicht verändert über alle Ausgaben zieht und eine Projektionsfläche für die sechs Titelthemen ist.

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19. Schillertage am Nationaltheater Mannheim

Autor: Henning Skibbe / Kategorie: Allgemein / 8. Mai 2017

»Nach der Freiheit ist vor der Freiheit« steht als Leitgedanke für die am Nationaltheater Mannheim stattfindenden 19. internationalen Schillertage. Die zahlreichen Gastspiele renommierter Theater aus dem In- und Ausland als auch die Eigenproduktionen beschäftigen sich damit die Freiheit im Sinne Schillers als positive Herausforderung zu begreifen und nicht als Bürde oder als Bedrohung. Wenn wir je in eine Zeit nach der Freiheit driften, dann muss dies gleichzeitig die Zeit vor der Freiheit sein. Wir wollen uns also nicht mit einem pessimistischen Status Quo abfinden, sondern blicken gleichzeitig, optimistisch, kämpferisch und mit der gebotenen Konzentration, in die Zukunft, wo die nächste Freiheit leuchtet.

ErlerSkibbeTönsmann haben das Erscheinungsbild der 19. Schillertage entworfen. Mit der Sprühdose als Werkzeug der Veränderung wird das Besorgniserregende weitergedreht.

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über Big Data (die PAGE-Kolumne)

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 7. Mai 2017

Eine neue PAGE-Kolumne zu den Creative Mornings, die EST einmal im Monat im designXport in Hamburg veranstaltet. Diesmal geht es um eines der Hype-Themen unserer Zeit: Big Data.

BigData

Schon irre, wie der Mensch immer wieder denen hinterherrennt, die von sich behaupten, allwissend zu sein – eigentlich ja eine göttliche Gabe, die aber auch prima taugt, andere zu beherrschen oder ihnen zumindest das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und der neue, heiße Ich-weiß-alles-Scheiß heißt: Big Data.

Einer dieser Big Data-Apologen, der Brite Alexander Nix, feierte sich jüngst dafür, Donald Trump zum Präsidenten gemacht zu haben. Angeblich wertete Nix’ Unternehmen Cambridge Analytica digitale Psychogramme von über 200 Mio. Amerikanern und deren Vorlieben und Ängste aus. Aus gefundenen Übereinstimmungen entstand eine mehrheitsfähige Menschenmasse, die Trump mit maßgeschneiderten Wahlversprechen köderte – Populismus auf Big Data. Und ob Trumps krudes Wahlprogramm auch seine persönliche Haltung widerspiegelte, war bis zum Wahltriumph erstmal egal. Kein Wunder, dass Nix sich wie der liebe Gott gerierte.

Nur mal angenommen, Trump würde nach dem Big Data-Wahlsieg nun auch Big Data-Politik machen und die Social Media-Ergüsse seiner Fans wären die Grundlage seiner Dekrete, dann käme dabei wahrscheinlich exakt so ein Irrsinn wie der »Muslim Travel Ban« raus (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Ist Big Data also eine großartige neue Möglichkeit, die Welt zu erobern, oder im Gegenteil der Triumph der reaktionären Mittelmäßigkeit? Es kommt auf den Standpunkt an.

»Datengetriebenes Marketing« nennt Niels Jensen das Prinzip etwas weniger reißerisch und macht keinen Hehl daraus, dass auch er geradezu missionarischen Eifer entwickelte, als er 2006 begann, die Daten potentieller Kunden zur alleinigen Vertriebsgrundlage von Produkten machte. Jensen erklärt es am Beispiel Zalando: ausschließlich messbare Kundenbedürfnisse waren die Grundlage für Ein- und Verkauf, nicht mehr Werbekampagnen, PR, Design oder so etwas profanes wie der richtige Riecher. Der Big Data-Dreh ist also: In riesigem Stil messen, was begehrt ist und dann diese Bedürfnisse exakt und opportunistisch bedienen. Zalando und Trump gingen durch die Decke. Aber hält der Hype, was er verspricht? Und kann so Neues entstehen?

Kaum. Denn erstens kann Big Data-Marketing nur auf das bauen, was schon da ist, und zweitens sucht Big Data immer nach dem Durchschnitt, weil der am einfachsten und lukrativsten zu melken ist. Big Data ist Mainstream. Das Gegenteil von originell. Der Feind von Kreativität – und damit ein Konzept, mit dem sich vielleicht mal eine Wahl oder ein Pitch gewinnen lässt, das aber schnell an Zugkraft verliert, weil es fürchterlich langweilig und durchschaubar ist. Zalando hat längst schon Probleme und Trump wird sie auch bekommen.

Das Design sehe ich in diesem Kontext an einem Scheidepunkt. Weil Design den einzigartigen, progressiven Unterschied ausmachen kann – oder dem Big Data-Mainstream Zucker gibt, in dem es das Berechnende, Banale aufhübscht. Wir sehen solche Entwicklungen heute in allen kreativen Bereichen. In der Musik des Formatradios, dem Blockbuster-Superhelden-Kino oder den »Bau Dir Deine eigene Website«-Templates: all dies sind ja schon Daten-Derivate in großem Stil, die ganze Industrien speisen, aber die Welt zunehmend in einer zuckersüßen Me Too-Sauce versinken lassen.

Unsere Antworten auf Big Data sind schlaue, mutige Ideen und maximale Empathie. Beides wird Big Data nie haben und beides sollten wir uns teuer bezahlen lassen. Kreative sind mehr denn je als Innovatoren gefragt. Und die Zukunft kreativer Berufe liegt nicht im Nachäffen – das wird Big Data bald schon besser, schneller und billiger können – sondern im neu erfinden.

Und das nehme ich mit von Niels Jensen: Big Data ist ein funkelnder Scheinriese.

PS: Wie man sich gegen Big Data-Manipulation schützen kann? Immer genau hinschauen, wer zu einem spricht! Das müssen wir alle in der neuen Welt der Kommunikation noch viel besser lernen. Und im Wahljahr 2017 wird es wichtig sein.