Slice 1Created with Sketch. Slice 1Created with Sketch. Slice 1Created with Sketch.

Foto:

Schönheit für den Augenblick

Autor: Christian Tönsmann / Kategorie: Post aus München / 26. April 2016

Jippie! Beim ADC 2016 wurde die Robert-Frank-Sonderausgabe Schönheit für den Augenblick mit Gold (Kategorie Katalog/Broschüre) und Silber (Kategorie Ausgabe/Zeitung) ausgezeichnet. Zudem wurde Langstrecke mit Silber (Kategorie Magazin/Jahrgang) ausgezeichnet. Für die Illustrationen in den Ausgaben 3 und 4 von Langstrecke sowie für das Magzin zum SZ-Wirtschaftsgipfel gab es eine Auszeichnung.

Das doppelte Metall für Robert Frank freut um so mehr, weil das eines dieser Projekte war, das mit großem Aufwand komplett neben der Tagesproduktion gestemmt wurde – morgens, abends, spät abends, sehr spät abends und am Wochenende. Die geniale Idee eine Sonderausgabe und zugleich einen Ausstellungskatalog zum Lebenswerk von Robert Frank zu machen hatten der Verleger Robert Steidl und Alex Rühle, Reporter im Feuilleton der SZ. Letzterer schrieb im Streiflicht auf der Titelseite dieser Ausgabe: „… Was freilich zu der Frage führt: warum ein Katalog in Zeitungsform? Warum kein wertvolles Buch in Hochglanz und Tiefdruck, leinengebunden? Stattdessen fliegende Recyclingblätter aus Massenpapierhaltung. Und die streut man dann für 2,60 Euro unters Volk. Das ist ja fast schon Wikimedia-Niveau. Eben drum! Frank wollte, dass jeder seine Bilder sehen und in Form dieser Zeitung mit nach Hause nehmen kann. Apropos benutzen: Würden Sie jemals eine Seite, die Ihnen besonders gut gefällt, aus einem teuren Katalog herausreißen und aufhängen? Wohl kaum. Bei dieser Zeitung bitten wir Sie geradezu darum: Die Panoramaseiten jeder einzelnen Lage zeigen doppelseitige Reprints einiger großartiger Frank-Werke. Extra für Sie! Fleddern Sie diesen Katalog! Verschönern Sie Ihr Leben! Und hängen Sie sich den lieben Gott der Fotografie in die Wohnung!“

 

RF_01RF_10_11RF_06_07RF_08_09RF_13RF_20RF_52

 

Neues Cover für Suhrkamp

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Bureau / 9. April 2016

Sowas ist doch immer am Schönsten! Eben erhielt ich folgende SMS nebst Foto: »Lieber Johannes, ich sah das Buch im Vorbeigehen im Regal – und MUSSTE es in die Hand nehmen. Damit war klar: kaufen. Super! Herzlich, Florian«.

Florian Gless war ein Kollege von mir beim stern. Heute ist er Chefredakteur von National Geographic und PM. Danke Florian!

IMG_8921

14/09 Tagebuch einer Genesung

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 30. März 2016

Vor einigen Tagen kam das erste Exemplar eines Buches bei uns an, an dem wir über zwei Jahre gearbeitet haben und auf das wir sehr stolz sind. Das Buch heißt »14/09 Tagebuch einer Genesung« und es ist das Buch der Fotografin Natalie Kriwy, die darin ihre Brustkrebserkrankung und ihre Heilung dokumentiert. Dies ist die Geschichte dieses Buches.

1web

Im Frühjahr 2013 war ich Art Director des stern. Die Titelgeschichte einer Ausgabe im Mai ging über Angelina Jolie, die ihren Brustkrebs und die damit verbundene Mastektomie (also das Entfernen der Brüste) publik gemacht hatte. Jolie ist Trägerin des BRCA1-Gens, das ein wiederholtes Auftauchen der Krebserkrankung ohne Mastektomie höchst wahrscheinlich macht. Und da eine Brustamputation bis heute ein Tabuthema ist, wollte Jolie darauf aufmerksam machen.

Wir arbeiteten also an dieser Titelgeschichte und überlegten, wie wir sie bebildern könnten, als die Lübecker Fotografin Natalie Kriwy zufällig in die Bildredaktion kam (sie hatte einen ganz normalen Mappentermin), die Arbeit der Kollegen aus der Bildredaktion mitbekam und erzählte, dass sie die gleiche Krankheit gerade erfolgreich überstanden und ihre gesamte Krankheitsgeschichte fotografisch begleitet hätte. Ein unglaublicher Glücksfall für uns! Vor allem, weil die Fotos ganz besonders waren. Denn Natalie hatte ihren Krankheits- und Heilungsverlauf nicht nur lückenlos in zahlreichen Selbstportraits dokumentiert (sie hatte sogar während der Operation die Kamera aufgestellt und von einer Helferin bedienen lassen), die Fotos strahlten darüber hinaus einen fast unheimlichen Optimismus aus. Ich war tief beeindruckt.

17web68web

Die Bilder erschienen auf sieben Doppelseiten, was ungewöhnlich viel ist in einer Zeit, in der der stern ziemlich dünn geworden ist. Und mich ließen die Bilder, vor allem aber Natalie selbst mit ihrer strahlenden, optimistischen Art nicht wieder los. Zusammen beschlossen wir, aus den Bildern ein Buch zu machen.

Als sich meine Zeit beim stern dem Ende zuneigte (mittlerweile schon Anfang 2014), nahmen wir den Faden wieder auf. Über das gesamte vergangene Jahr waren wir in Kontakt geblieben und hatten erste Ideen zur Machart des Buches ausgetauscht, aber erst jetzt fand sich die Zeit, konkret zu werden.

Gemeinsam mit der Lektorin Isabelle Erler, meiner Frau, suchten wir nach Wegen, in der Umsetzung des Buches möglichst unabhängig zu bleiben. Wir wollten mit der fertigen Idee des Buches an Verlage herantreten, weil wir ahnten, dass dieses Buch nicht leicht unterzubringen sein würde. Denn das Thema war ja nicht einfach, auch wenn Natalie es in ihren Bildern so wunderbar gelöst hatte. Wir wollten das Buch genau so machen, wie wir es im Kopf hatten. Isabelle schlug deshalb vor, nach Sponsoren zu suchen. Eine Sponsorenmappe entstand und wurde an eine Reihe medizinischer Unternehmen verschickt, die in der Krebsforschung und -behandlung tätig sind.

Mittlerweile hatte Natalie uns ihr gesamtes Material gezeigt. Und das waren nicht nur die Selbstportraits, das war auch eine komplette Tagebuchdokumentation inkl. der akribischen Aufzählung sämtlicher Medikamente, die Natalie Tag für Tag zu sich hatte nehmen müssen, und ein weiteres Fotoprojekt, das als Stil-Fotografie alle Gegenstände zeigte, die Natalie aus dieser Zeit aufbewahrt hatte (z.B. Haare und Wimpern, die ihr ausgefallen waren und die sie in Plastiktüten aufbewahrt hatte). Das ganze hatte die Qualität von Konzeptkunst. Eine lückenlose Dokumentation. Natalies Versuch, ihre Krankheit zu begreifen, mit ihr umzugehen und sie zu besiegen. Unsere Hochachtung wuchs.

109web85web

Dann fanden wir mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca tatsächlich einen Sponsor, der bereit war, den gesamten von uns kalkulierten Betrag zu bezahlen. Es war wie ein kleines Wunder. Wir konnten mit der Arbeit jetzt wirklich beginnen. Und wir konnten nun nach einem Verlag suchen, dem wir das Buch komplett lektoriert und gestaltet, also druckbereit vor die Tür würden stellen können.

Die Suche nach dem Verlag gestaltete sich trotzdem schwieriger, als angenommen. Offensichtlich scheuten die Fotobuchverlage, die wir fragten, das Risiko, ein so schwieriges Thema zu veröffentlichen. Eine Weile zogen wir deshalb in Betracht, das Buch im Eigenverlag zu publizieren, bis sich der Münchener PRESTEL-Verlag meldete. Wir waren am Ziel! Das Buch würde erscheinen.

In den folgenden Monaten lektorierte Isabelle Natalies Tagebuch und alle anderen Texte. In meinem Büro entstand gemeinsam mit Inga Albers, mit der ich schon die Monografie über Erik Spiekermann gemacht hatte, die Gestaltung. Der Verlag ließ uns freie Hand.

Jetzt ist das Buch da. Ab sofort kann es in jeder Buchhandlung oder direkt über den Verlag bestellt werden.

Große Projekte, die lange dauern, direkt nach ihrer Veröffentlichung qualitativ zu beurteilen, fällt mir als Macher immer sehr schwer. Ich bin dann noch zu nah dran, brauche Abstand, sehe zu viele Details, die mir nicht gefallen. In diesem Fall ist es anders. Das Buch ist toll geworden! Und ich wünsche mir nun, vor allem natürlich für Natalie, dass es möglichst viele Menschen entdecken und kaufen.

Ich möchte mich bedanken bei allen, die mitgemacht haben. Bei Natalie, Isabelle und Inga, bei unseren Sponsoren und beim Verlag, der das Buch wunderschön produziert hat.

Das Thema bleibt schwierig. Noch immer ist die Diagnose Brustkrebs für Betroffene und Angehörige der absolute Horror und leider nicht selten. Und das Buch zeigt, wie es ist. Es beschönigt nichts. Aber diese Geschichte geht gut aus. Und Natalie, diese erstaunliche, zarte und gleichzeitig starke, freundliche, humorvolle Person, zeigt, wie man es schafft, mit Kraft und Würde durch die Krankheit zu gehen. Sie ist ein Vorbild in jeder Beziehung. Und ich bin stolz und glücklich, sie zu kennen.

45web65web

Wunderschönste Buchstaben

Autor: Christian Tönsmann / Kategorie: Post aus München / 15. März 2016

Der Buchstabe ist nicht nur die kleinste Informationseinheit einer Zeitung, er ist auch ihre kleinste Gestaltungseinheit – und in diesem besonderen Fall, ihre größte.

Zu lange ist die Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung im toten Winkel der Kreation des Blattes gewesen. Diese Unaufmerksamkeit hat Florian Gmach – der seit einem halben Jahr die Art Direktion der Zeitung unterstützt – erkannt und sich vorgenommen dies zu ändern. Er beauftragte die Grafikerin Daniela Wiesemann, die in Zusammenarbeit mit der Redaktion 16 typografische Illustrationen für die aktuelle Beilage gestaltet hat, die anlässlich der Leipziger Buchmesse heute erscheint.

Daniela Wiesemann ist freie Art Direktorin, hat für die Magazine Stern, Focus und Nido sowie für die Agentur Herburg Weiland gearbeitet. Sehr schön ist auch ihre Website www.hildecard.de, auf der sie Namen typografisch gestaltet.

Die digitale Ausgabe der Literaturbeilage gibt es hier zeitung.sueddeutsche.de/webapp/access/sa/sa-2016-03-15


IMG_3706
Blockaufschlag_geschl_perspIMG_3704IMG_3699IMG_3705IMG_3702Blockaufschlag IMG_3700IMG_3703Titel_geschlossen

Reihe 5: völlig losgelöst

Autor: Johannes Erler / Kategorie: Allgemein / 13. März 2016

Reihe5_Nr3_HF_web
Seit drei Ausgaben machen wir, gemeinsam mit Ralf Grauel von Grauel Publishing, das Magazin »Reihe 5« für die Staatstheater Stuttgart. Die Staatstheater Stuttgart, das sind die Oper Stuttgart, das Stuttgarter Ballett und das Schauspiel Stuttgart. Die Staatstheater Stuttgart sind also ein Dreispartenhaus und mit so einem Heft die Ideen und Absichten jeder Sparte abzubilden, ist nicht immer ganz einfach, aber mit dieser dritten Ausgabe ist es ganz bestimmt gelungen.

Ausgangspunkt und wichtigstes Thema der Redaktionskonferenz: die ängstliche und zunehmend radikale Stimmung im Land, die mehr und mehr auch die Theater zu spüren bekommen.

Die Frage nach der Freiheit der Kunst stellt sich tatsächlich immer öfters. Zum Beispiel hat an diesem Abend, da dieser Text entsteht, in Sachsen-Anhalt mit der AfD eine Partei 24% der Stimmen gewonnen, die in ihrem Wahlprogramm der Kultur vor allem eine restaurierende, die deutschen Werte erhaltende Rolle zuschreiben will. Ein paar Kilometer weiter östlich, in Polen, ist dies längst schon Alltag. Dort müssen ausgewählte Theaterproben neuerdings auf Video mitgeschnitten werden, um sie später aus- und bewerten zu können. Man glaubt es eigentlich kaum.

Angst kam neulich auch entlang der »Salome«-Inszenierung der Oper Stuttgart unter der Leitung des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov auf: Serebrennikov setzte sich in seiner Interpretation mit islamistischem Terror auseinander. Auf der Bühne sah man Videos, die Hinrichtungen des IS zeigten. Diese radikale Form von Theater gefiel nicht allen. Und die Frage war, ob die Inszenierung Terror provozieren könnte und die Polizei während der Premiere vor Ort sein müsse. Man entschied sich (noch) dagegen.

Serebrennikov selbst verstand die Aufregung nicht. In seiner Heimat Russland ist er längst den Repressalien des ultrakonservativen Kultusministeriums ausgesetzt, da fand er Stuttgart eher entspannend.

Es ging auf der Redaktionssitzung also um solche Themen und die Frage war, wie alle drei Sparten gemeinsam dieses Thema abbilden könnten. So entstand das Heft »Völlig losgelöst. Ein Heft über Freiheit und Angst«. Und so entstand der Fragebogen »Wieviel Freiheit ertragen Sie?«. In 31 Fragen können die Leser sich selbst testen und herausfinden, wie nah Freiheit und Angst beieinander liegen.

Verschiedene Texte ergänzen den Fragebogen: Der Soziologe Heinz Bude erklärt z.B. in einem Interview sehr anschaulich, warum Angst der Kern von Freiheit ist. Der Dramaturg und Autor John van Düffel schreibt über die immerwährende Aktualität von Theaterklassikern, SPIEGEL-Autor Wolfgang Höbel über den Freigeist Schorsch Kamerun, der in Stuttgart inszeniert, und ein Text setzt sich mit der Kulturpolitik Russlands auseinander, sozusagen als Menetekel.

Eine ganz andere Form von Freiheit genießt die Tänzerin Katarina Kozielska durch die Unterstützung der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft. Das Prinzip dieser Institution besteht darin, Freiräume zu schaffen, in denen sich Choreographietalente ohne Erfolgsdruck entfalten können. In Kozielskas erster Arbeit deutet sie ihre eigenen Gehirnströme in Tanz um. Manch einem mag das verrückt vorkommen. Es ist vor allem aber ein Beleg für die Freiheit der Kunst, die in diesem Land nach wie vor gilt – und es ist dabei noch wunderschön anzuschauen.

Die gesamte Strecke ist toll bebildert, auch durch die Illustrationen von Jindrich Novotny. Wir sind sehr stolz auf dieses Stück. Und wir sind stolz darauf, wie weit wir gemeinsam mit den Staatstheatern diesmal schon gekommen sind (der Rest des Heftes ist auch nicht schlecht ;-)

Wer das Heft jetzt bestellen möchte, schreibt am besten eine E-Mail an Simone.Ulmer@Staatstheater-Stuttgart.de